Die Kultur der Orken in Eibland

von Drago Springinsfeld
Ich bin erschüttert!
Meine Reise auf das Festland begann mit einem gar unüblichen Ereigniss.
Ich traf auf Orks.
Nun - wird der geneigte Leser sagen - das ist doch nicht seltsam. Ein orkischer Seifensieder wohnt in meiner Straße, ich lese Geschichten und Gedichte von orkischen Barden und der Orkhändler, der einmal die Woche Station in meiner Stadt macht, ist ein gewohnter Anblick.

Doch was soll ich sagen, liebe Eibländer?

Man warnte mich noch in Freyhaven, dass die Wälder hinter der Festlands-Hafenstadt von Orks 'verseucht' wären.
Und ich dachte mir noch - wie rückständig und ignorant diese Festländer sein müssen, sich vor den Grünhäuten zu fürchten!
Frohgemut brach ich auf, ohne Sorge, da ich ja Orks aus meiner Heimat kenne und so keine Bedenken hatte.
Wenige Meilen hinter der Stadt - der Wald dicht und unberührt, die Sonne am Himmel, keine Sorge fühlend - trat mir ein gutes Dutzend der Grünhäute in den Weg.
Und - sie sind völlig anders, als ich mir das vorgestellt hatte!
In derbem Leder und Fellen gekleidet, zusammengeschusterte Rüstungen tragend. Ganz wie gemeines Raubgesindel!
Verzeih bitte - geneigter orkischer Leser! Doch dieses Brigantenpack, welches mir da gegenüberstand, waren tatsächlich Orken.
In derben, ungehobelten Worten, die keinem mir bekannten Orkkämpfer je über die Lippen kommen würden, forderte mich ihr 'Anführer' auf, mein Geld und meinen Besitz auszuhändigen.
Währenddessen die anderen schon - gut hörbare - Witze rissen, wie sie mich nacher zu Tode bringen wollten!
Ihr seht - kein Vergleich zu den ehrenhaften Reisenden, Kriegern und Händlern, die wir von uns kennen!
Zugegeben, auch unter den eibländischen Grünhäuten gibt es Verbrecher, Banditen und Briganten. Doch dass eine Rotte in der Größe eines Stammes (!) zu solchem Tun fähig ist, war mir schlicht nicht vorstellbar.

Was soll ich weiter erzählen? Ich rannte, so schnell mich meine Beine trugen in Richtung der Stadt zurück.
Das Banditenpack dicht auf den Fersen. Wohl hätten sie mich erwischt und mir Besitz und Leben abgenommen, wenn nich das Glück einige Freyhavener Berittene just in diesem Moment in meine Richtung gesandt hätte.
Es war ein blutiges Gemetzel! Das Pack der Angreifer stritt ohne Ehre und ohne Gewissen! Sie schlugen gleichwohl auf die Pferde ein - ein Verhalten welches die sofortige Entehrung eines eibländer Orks zur Folge hätte! - und brachten einige der Soldaten zu Tode.
Ein Glück, dass die Krieger der Stadt in großer Überzahl angriffen und die hiesigen Grünhäute wohl auch einen anderen Bezug zu Kampfesehre und Mut hatten. Sie flohen alsbald in die tiefen Wälder.

Ich jedoch musste mir die derben Späße und Beleidiungen anhören. Mich von den Städtern als 'Dummer Fremdländer' schimpfen lassen, da ich von der Gefahr durch die Orks nichts ahnte...
Schlimmer noch - jeder Versuch, darauf hinzuweisen, dass die Orken meiner Heimat nichts mit diesem Gesindel zu tun haben, wurde mir als Dummheit oder schlimmer, als Lüge ausgelegt!
So will ich zum Schluss jedem Reisenden aus Eibland die Warnung mit auf den Weg geben: Wenn ihr auf dem Festland Orken seht - so seht euch vor. Hier scheinen die meisten gefährliches Banditenvolk zu sein, dem man nicht über den Weg trauen kann!

Eibländer Orks

1. Vorwort

Wie aus dem obigen Text von unserem Auslandskorrespondenten Drago Springinsfeld hervorgeht, gibt es einen gravierenden Unterschied zwischen Orks auf dem Festland und Orks auf Eibland.

Fakt ist: Wir als Eibland-Orga wollen von dem archetypischen Bild des tumben, in akzentbeladener Sprache redenden und pöbelten Orks, der meist nicht mehr als Kanonenfutter in einem Larp ist, abkommen.
Genau wie Zwerge, Elfen und Menschen sind Orks ein kulturschaffendes Volk. Sie pflegen einen ausgeprägten Ritualismus, folgen komplizierten Ehrenkodizes und verehren eine komplexe Vielzahl von Göttern.

Bis auf wenige Ausnahmen sind die Orkstämme auf Eibland Nomadisch oder Halbnomadisch. Sie handeln, berichten aus den entlegenen Regionen, führen Theaterstücke auf oder stellen Barden und Lyriker.

[Um es mit ein paar OT-Worten zu umschreiben:
Eibländer Orks sind Nomadisch wie Mongolen, folgen einem japanisch anmutenden Ritualismus und pflegen eine Kultur und Götterwelt, welche man aus Indien kennt]
Sie reden wie normale Menschen. Sie benehmen sich höflich und manchmal etwas weltfremd. Zwar gibt es unzählige Riten (Verbeugungen, Ehrenbezeugungen, Duelle. etc...) doch sollte ein Nicht-Ork hier einen Fehler begehen, so wird man ihn nicht gleich erschlagen und fressen, sondern eher belustigt die Nase rümpfen ob der Rüpelhaftigkeit der Falbhaut.

2. Kasten, Berufe und sozialer Status.

Die Orks folgen einem Kastensystem, in dem jedes Mitglied seinen Platz hat. Das System ist zwar streng gegliedert, doch können persönliche Dienste, Fürsprecher beim Thain oder Radun und heldenhafte Taten einen Aufstieg im System ermöglichen.
Genauso kann Ehrlosigkeit, Feigheit oder ein anderes Vergehen mit einem Abstieg im Kastensystem geahndet werden.

2.1. Die Guin - die Kaste der Herrschenden

Die oberste Kaste eines jeden Clans sind die Guin. Je nach Größe des Clans umfassen sie mindestens den Thain (Häuptling) des Clans und den Radun (Runenleser / Schamane). Größere Stämme haben noch Anthains (Unterhäuptlinge) für verschiedene Aufgaben - etwa Militär, Wirtschaft, Bildung etc. Sie entsprechen königlichen Ministralen oder Beratern.
Radun gibt es meist mehrere. Sie sind Seelsorger, Berater in übernatürlichen Dingen, Wächter über die Gesetze des Stammes oder auch Lehrer.

2.2. Die Virrhun - die Kaste der Reisenden

Als Virrhun werden all jene Orks bezeichnet die für Schutz Fortbestand des Clans, der durch die Lande zieht von Bedeutung sind. Höhere Krieger, Händler, Diplomaten und Jäger. Sie werden in der Regel vom Stamm mit allem notwendigen versorgt und kümmern sich vordringlich um ihre jeweiligen Aufgaben.
Sie jagen, knüpfen Kontakte, verteidigen den Stamm oder organisieren Waren.
Der Vir-Adun - der 'Verteigier des Radun' nimmt eine besondere Stellung über der Kaste der Virrhun und unter der der Guin ein. Dieser Krieger hat die besondere Aufgabe, Ehrenhändle des Radun zu fechten und das Leben des Schamanen allgemein zu beschützen.

2.3. Die Fü-Qudan - die Kaste der Lachenden

Unter oder neben der Kaste der Reisenden finden sich die Fü-Qudan. Die 'Lachenden' stellen die Theaterschauspieler, die Barden, Sänger, Dichter und Künstler.
Einerseits erheitern sie Volk und Herrschende mit ihrer Kunst, sorgen für Frieden und eine angenehme Atmosphäre.
Andererseits kann man die 'Erzeugnisse' der Fü-Qudan als 'Exportartikel' vieler Orkstämme betrachten.
Das Volk in allen städten ist begeistert von den Qudan-Theatervostellungen, die reisende Stämme oftmals aufführen. Texte, Gedichte und Geschichten finden sich in vielen Bibiliotheken von Adligen oder reichen Händlern und gelten als begehrte Sammlerobjekte.

2.4. Die Nin - die Kaste der Dienenden

Die große Masse der Orks sind Nin. Ähnlich wie Leibeigene im Königreich oder Fürstentum verrichten sie die Arbeit auf der Scholle, arbeiten als Hausdiener, oder einfache Handwerker. Nin dienen auch als Kämpfer - vergleichbar mit einfachen Soldaten oder Unteroffizieren im Königreich. Höhere Krieger gehören der Kaste der Virrun an. Etwa vergleichbar mit königlichen Offizieren oder niederem Adel.

2.5. Die Donin - Ausgestoßene

Offiziell gibt es die Kaste der Donin nicht. Und dieses Wort einem Ork gegenüber zu benutzen gilt als schwere Beleidigung!
Ausgestoßene haben ein Verbrechen gegen den Clan begangen, welches schwerwiegend genug ist, sie ihrer Rechte zu berauben. Oder sie sind vor einer ausstehenden Todesstrafe geflohen.
Ähnlich wie Briganten oder Wegelagerer gelten sie als rechtlos und sind auf der Stelle anzugreifen.

3. Ehrbegriff

Eibländer Orks haben einen ausgeprägten Ehrbegriff. Zumindest was die höheren Kasten angeht. Natürlich findet man auch Orken, die sich unsäglich - für die Begriffe ihrer Kultur - benehmen.

3.1. Der Kodex der Krieger - Vir-Dai

  • Die Waffen des Kriegers seien Schwert, Hasta, Streitkolben Axt oder Bogen. Die Armbrust gilt als ehrlos und ist den einfachen Nin-Kämpfern vorbehalten. Genauso Piken, Langäxte, Helebarden und dergleichen. Nur berittene Vir führen eine Stroßlanze (welche auch im Kampf zu Fuß benutzt wird)
  • Das Duell ist der Schlacht vorzuziehen. Doch wenn es keinen anderen Weg gibt formiere dich und reihe dich ein.
  • Es liegt keine Ehre im Mord von Hinten. Genauso ehrenrührig ist das Verwenden von Gift.
  • Kriegslisten sind ein Zeichen von Schläue und kein Zeichen von Schwäche.
  • Wird ein Krieger im Kampf bezwungen und gibt den Kampf auf, so zieht er sich zurück oder wählt die Gefangenschaft. Es liegt keine Ehre darin, eine Niederlage im Zweikampf vorzutäuschen um dann dem Feind in den Rücken zu fallen.
  • Trage Münzen am Gürtel. Diese gehören dem Heiler oder dem Kämpfer, der dich überwunden hat. Die Menge der Münzen gibt deinen Wert an!
  • Wenn der Krieger seine Waffe zieht, so muss mit ihr Blut vergossen werden, bevor sie wieder gescheidet wird.
  • Ziehe niemals eine Waffe gegen einen Unbewaffneten!
  • Ein Gefangener ist zunächst Besitz des Fängers. Behandle Gefangene mit Würde.
  • Der Vir geht klaren Geistes in den Kampf. Am Vorabend der Schlacht trinkt er keinen Alkohol und nimmt keine Drogen.
  • Der Abend nach der Schlacht ist der Kaste dem Qudan gewidmet. Feiere deinen Sieg, feiere wofür due gekämpft hast.
  • Während des Kampfes befolgt der Krieger die Weisungen der Anführer. Nur vor oder nach der Schlacht bringt er seine Meinung ein.
  • Im Rückzug liegt keine Ehrlosigkeit. In der feigen Flucht hingegen schon.
  • Mut heißt nicht Dummheit!

3.2. Der Kodex der Vir-Radun

Für die Verteidiger des Radun gelten die obigen Regeln bis auf einige Ausnahmen
  • Die Waffe des Vir-Radun seien Schwert oder Schwertlanze!
  • Das Leben des Vir-Radun schützt das Leben des Radun!
  • Der Vir-Radun flieht nicht - es sei denn um den Radun zu schützen!


Letzte Änderung am 18.9.2011 um 09:35:14 Uhr von boronk

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