Die ganz jungen Mädchen wohnen in mehreren eng zusammenstehenden Hütten, den "Häusern der Töchter", am Rande des Dorfes. Sie sind dabei nicht nach Altersgruppen unterteilt, sondern es wird vielmehr darauf geachtet, dass in jedem Haus Mädchen unterschiedlichen Alters gemeinsam wohnen, so dass die jüngeren von den älteren lernen und die älteren Verantwortung für die jüngeren übernehmen können.
Bis etwa zu einem Alter von fünf Sommern haben die Kinder keine weitere Aufgabe, als zu helfen, die Hütte sauber zu halten, das Essen zu bereiten und ihre Kleidung in Ordnung zu halten. Ab dem fünften Sommer bekommen sie dann Unterricht. Dabei wird ein breitgefächertes Spektrum an Aufgaben abgedeckt, von Ackerbau über Lesen und Schreiben hin zur Pflanzen- und Heilkunde, von der Kunde alter Legenden und der Großen Zyklen - der Geschichte Niniels und ihrer Töchter - bis zum Umgang mit der Waffe. So bekommt ein jedes Mädchen einen Grundstock an Wissen in allen Dingen gelehrt, so kann aber auch getestet werden, wofür sich eine jede am besten eignet.
Der erste große Einschnitt im Leben einer jeden Amazone ist dann Nevrast, das Fest der ersten Mondblutung. Es ist nicht nur das Fest, an dem symbolisch die Kindheit für immer abgestreift wird, sondern zugleich der Tag, an dem ein jedes Mädchen die Häuser der Töchter verlässt. Am Abend des Festes wählen die vollen Amazonen sich eine Schülerin aus, die dann bei ihr im Haus wohnt. Zumeist gibt es dabei nur wenig Überraschungen, denn bei fast allen Mädchen ist klar, für welche speziellere Ausbildung sie sich am besten eignen und wer demnach die passende Lehrmeisterin ist. Nur selten stellt eine Amazone, deren Name nicht vorher schon bekannt war, die Forderung, ihr eines der Mädchen zur Ausbildung zu überlassen, und es ist noch von keinem Fall berichtet, in dem ein Mädchen sich weigerte, den ihr angebotenen Platz anzunehmen.
Zu dieser Zeit ihrer Ausbildung steht den Mädchen der Titel "Maiden Niniels" zu.
"Töchter Niniels" und damit vollwertige Amazonen erden die Mädchen meist im Alter von etwa 20 Sommern. Wenn die Lehrmeisterin feststellt, dass ihre Schülerin alles gelernt hat, was sie ihr beibringen kann, so gibt sie diese Botschaft der Ehrwürdigen Jungfrau weiter. Die Jungfrau wiederum verkündet beim Frühlingsfest die Namen all dieser Mädchen, segnet sie noch einmal im Namen der Göttin und schickt sie noch in derselben Stunde und ohne die Möglichkeit längeren Abschieds auf die Große Reise.
Immer bekommen die Maiden eine Aufgabe von der Jungfrau- ein Samenkorn eines heilkräftigen Baumes aus einer südlichen Gegend zu bringen oder etwas vom Wissen der Schamanen aus dem Norden zu erfahren, jedes Jahr etwas anderes - und immer werden sie verabschiedet mit den Worten: 'So vergesst niemals, dass Ihr Teil seid einer Gemeinschaft und kehrt zum Fest der Ernte zu uns zurück, auf dass die Göttin Niniel sehen möge, dass die Saat, die die Jungfrau gesät, nun gekeimt hat und gewachsen ist und dass die Frau nun der vollen Blüte gleicht. Dann wird die Mutter Euch, die sie als Maiden hat gehen lassen, als Ihre Töchter ieder aufnehmen. Doch jetzt geht, Maiden Niniels! Möge die Göttin Ihre Hand stets schützend über Euch halten!'