Der Schatz vom Frauenstein

Um die Mitternachtsstunde bei vollem Mond öffnet sich unter dem Torbogen der verfallenen Burg Frauenstein ein unterirdischer Gang, zu dem man auf silbernen Stufen hinuntersteigen kann.

Dort wartet ein Zwerg und führt den Besucher weiter bis zu einem großen Rittersaal, dessen schwere eiserne Tür sich von selbst auftut.

Hier sitzen die ehemaligen Ritter der Burg verzaubert in weitem Kreis, während ungeheure Schätze von Gold und Silber in stahlbeschlagenen Truhen „ihrer Befreiung“ harren.

Wer mit dem Wunsche, einen Schatz zu heben, unverwandten Auges auf eine der Truhen blickt, dem öffnet sie sich und er kann den verlockenden Inhalt an Gold und Silber vor sich sehen.

Zugleich reicht der Zwerg einen Sack dar. Der Überglückliche greift tapfer zu und tritt schwerbeladen den Rückweg an, während ihn der Zwerg bis zu den Stufen des Ausganges begleitet.

Schon sieht der Eindringling frisch aufatmend ins Freie. Doch von Stufe zu Stufe wird der Schatz schwerer und drückt ihn wenige Schritte vor dem Ausgang zu Boden. Dabei entfällt ihm der Sack und kollert unter unheimlichen Geklirr die Treppe hinunter. In diesem Augenblick dröhnt der Berg, als würde er aus seinen Grundfesten gerissen.

Die verzauberten Streitrosse in den unterirdischen Ställen erwachen und wiehern laut auf, die Knappen rufen zum Kampf; die Ritter lassen ihre Schwerter klirren. Der Schatzsucher aber flüchtet vor dem furchterregenden Höllenhunde bis zum „Schwarzen Kreuz“.

Hier fällt er erschöpft zusammen und verspricht hoch und teuer, nie mehr in seinem Leben nach verborgenen Schätzen zu fahnden.

Volksweise

Das Lied vom Fluch

Um Mitternacht wars, als mein Blick fiel auf die Last.
Von güldenem Schein, während das Mondlicht verblasst.
So wunderbar das Gold lag vor mir.
so reich und behängt wollt ich zu dir.

Refrain:
Doch einsam war ich - Geisterhand mehrten sich.
Einsam war ich, und der Tunnel so lang.
Die Schatten berührten meine Glieder
der Fluch zog mich rasch zum Boden nieder.

Am Morgen wars, dass meine Kräfte versiegten.
Am brüchigen Mauerwerk, der Fluch Hände obsiegten.
Zum Mittag wars, wie ich doch fror.
Im Schatten, nahe dem alten Tor.

Refrain:
Doch einsam war ich - Geisterhand mehrten sich.
Einsam war ich, und der Weg noch so lang.
Die Schatten berührten meine Glieder
der Fluch zog mich rasch zum Boden nieder.

Aufgeben musst ich die güldenen Haufen.
Und ohne das Gold sollt ich heimwärts laufen.
Doch schwor ich nicht aufzugeben den Schatz
und vergrub ihn so hier an diesem Platz.

Refrain:
Doch einsam war ich - Geisterhand mehrten sich.
Einsam war ich, und der Boden steinhart
Die Schatten berührten meine Glieder
und der Berg hat den Schatz nun endlich wieder.

Der Matthias Bichler

Einst hot da Bichler d' Taverne am Wegesrand gführt.
Da Bichler panschte das Bier und war allermal recht geizig.
Bis er eines Tages verschwundn is.

Tagweis hammer ihn gsucht.
Und nix gfundn.

Na hat uns sei Frau verzählt, er hätt den Schatz mit am Hannes zam suchen wolln.
Ihr wisst scho: Den Schatz von da Weißn Frau.

Also hammer den ganzen Wald bis zum Fraunstein übern Schlagsteinfels nüber und zum Goldbrunnen abgsucht.
Immer no nix.
Auch vom Hannes kei Spur.

Und am End is da Matthias von selber wiederkommen.
Mit am laaangen Bart.
Und verwirrt.

Den Schatz hätter versteckt hat er gesagt.
Natürlich hammern ausglacht.
Und am End kanns wahr sei.. geizig is er danach nie mehr gwen.
Zu Geld isser kumma.
Renoviert hatter alles.

Und sei Töchterle gut verheirat.
Aber den Hannes hat nie wieder wer gsehn.

Aufgeschrieben von Thoniel, Legendensammlerin



Letzte Änderung am 19.9.2011 um 11:10:52 Uhr von susi

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