Die Weiße Frau

Einstmals vor fast hundert Jahrn, so wird verzählt, war auf dem Frauenstein a wunderschöne Burg.

Ein Edelfräulein, eine Schwester des Ritters von Dennberg, lebte dort mit einem kleinen Gefolge aus Bediensteten und Kämpen.

Heute lebt von diesen Dienern nur mehr ein Zwergenkoch, der damals als junger Bursche auf der Burg in der Küche diente, und den zu befragen mir vergönnt war.

Es heißt, die schöne, aber äußerst eitle Eleanor oder Eleonora von Dennberg hätt mit Härte im Herzen und großem Geiz ihr Vermögen noch gemehrt.
Die Bauern des Umlandes hatten unter ihr zu leiden, wie auch die Diener auf der Burg.

Mit den Jahren wurd die "Schöne vom Frauenstein" immer habgieriger und wegen ihres schändlichen Charakters wollte kei Mannsbild sie zur Frau nachdem sie scho früh Witwe geworden war.

So "Herrenlos" kam die Burg auch zu ihrem Namen.

Jeder Bewerber floh aus der Burg, sobald er erkannt hatte, was für einen Drachen er sich da einfangen würd, und so kam es dass das Fräulen vom Frauenstein allein blieb und nach und nach nicht einmal mehr Krieger fand, die als Gefolge in ihrem Dienst stehen wollten.

Aus Angst um ihren Reichtum versteckte die Jungfer ihre Schätze unter dem Berg - so erzählten es zumindest die Bediensteten umher, doch niemand wagte danach zu suchen.

Eines Tages kamen einige seltsame Besucher zur Burg hinauf. Traurige Gestalten wie es schien, arg zugerichtet, ja Verletzte schienen unter ihnen. Woher sie gekommen waren vermochten die Burgangestellten nicht zu berichten, doch beschrieben sie die Männer und Frauen als "Feen".

Über die Feen wusste auch der ehemalige Koch nicht viel zu berichten, nur dass sie von schöner Gestalt gewesen seien, jedoch schlimmstens verletzt und verwahrlost, als kämen sie direkt aus dem Krieg.

Als die Fremden auf der Burg um Quartier baten, wies die Herrin die Fremden ab, weil sie ihnen nicht traute.
Wütend über die Abweisung verfluchte die Herrin der Feenkrieger die Eleanor vom Frauenstein.

"Verwirrt und einsam solle sie sterben und so lange wandeln müssen, bis sie genausovielen Seelen geholfen hätte, wie durch ihre Habgier und Misstrauen zu Schaden gekommen wären"

Eleanor ließ die Fremden gewaltsam aus der Burg werfen und blieb auch die nächsten 30 Jahre allein, traute nur ihrem Gefolge und als dieses nach und nach alt wurde, stellte sie aus Misstrauen kaum noch neue Diener ein.

Der Feenfluch wurde so wahr.
Eleanor starb allein in ihrem Gemach, und nur der Koch und eine alternde Zofe sowie eine handvoll alternder Krieger blieben zurück.
Den Schatz fanden auch sie nicht.

Die Burg verfiel rasch und es fand sich niemand der dort leben wollte. Bis heute ist der Schatz nicht gehoben, aber es heißt, dass in manchen Nächten und gar am Tage dort oben die "weiße Frau" im Wald umgeht.

So mancher Waldarbeiter erzählt, sie hätte ihn bei einem Unfall erettet und sie soll auch die verirrten Kinder nach Hause bringen.
Die weiße Frau soll schon Kranke geheilt haben, die es wagten sich eine Nacht auf dem Frauenstein aufzuhalten.

Angeblich führt die "weiße Frau" Suchende zum richtigen Ort, deutet den Kräutersammlern den Weg und muss so lange weiter gutes tun, bis sie genausoviele Seelen errettet hat, wie sie einstmals durch Geiz und Habgier im Stich ließ.

Den Schatz sucht man vergeblich bis Heute.

niedergeschrieben von Thoniel, Legendensammler



Letzte Änderung am 18.9.2011 um 07:35:42 Uhr von boronk

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